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Mo

17

Aug

2015

Arbeitsschicksale II

Die tägliche Arbeitsinfusion. Bild Mike Kline/flickr
Die tägliche Arbeitsinfusion. Bild Mike Kline/flickr

Der Ausdruck der sog. "Work-Life-Balance" weist darauf hin, dass Arbeitsschicksale auch in Konkurrenz zum Leben an sich geraten können. Der Ausdruck suggeriert einen Gegensatz zwischen Arbeit und Leben und wird dafür zurecht kritisiert. Die Gründe für die misslingende Integration sind vielschichtig.


Zwischenmenschlicher Kontakt gestaltet sich in der Arbeitswelt häufig über soziale Medien und anhand von Leistungsvorgaben, was die Gelegenheiten für ein empathisches Miteinander reduziert. Die Spaltung zwischen Arbeits- und Lebenswelt erscheint aus dieser Sicht auch als eine innere Spaltung, die aus einem Mangel an offenem Austausch mit anderen resultieren mag.

 

Die Arbeit ist ein Abkömmling des Triebs, meint der Düsseldorfer Philosophieprofessor und Psychoanalytiker Rudolf Heinz. Sich ihrer Begleitumstände im konkreten Einzelfall bewusst zu werden, unterliegt sofern den üblichen Mühen einer Analyse. Ein Vergleich zum Traum stellt sich ein: Der Rücksicht auf Darstellbarkeit, der die latenten Traumgedanken von der Traumarbeit unterworfen werden, entspricht in der Businesswelt das Arbeitskriterium der Repräsentation: Was jemand darstellt.

 

Exzessive Arbeitsbedingungen mit hohem psychischen Stress lassen sich indes nicht nur mit dem gestiegenen Wettbewerbsdruck erklären. Dahinter verbirgt sich ein Kulturphänomen, das immer auch auf den Stillstand von Kultur aus ist. Der Trieb im psychoanalytischen Sinn hat bekanntlich das Ziel, den Spannungszustand am oder mit Hilfe eines Objekts aufzuheben und damit stillzustellen. Der Exzess in der Arbeit führt analog zu Freuds Todestriebkonzept zu dem Paradoxon, durch immer höherer Anstrengungen einen ursprünglichen Ruhezustand wiederherzustellen.

 

Mit Blick auf alternative Arbeitsbedingungen stellt sich aus psychoanalytischer Sicht die Frage, wie es gelingen kann, aus der "Gefangenschaft des Unbewussten" mit seiner zum Exzessiven neigenden Triebökonomie herauszugelangen? Zunächst müsste es darum gehen, die Quantifizierung von Arbeit durch eine qualifizierende Bewertung zu ersetzen. Freud hat dies vorgemacht, indem er den Arbeitsbegriff anhand zahlreicher Komposita immer wieder neu erfand: Traumarbeit, Trauerarbeit, Witzarbeit u.a. Damit erweiterte er den Arbeitsbegriff über dessen ursprünglich enges bürgerliches Verständnis hinaus.

 

Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich wie immer vor allem im Sprachgebrauch der an den Arbeitsprozessen Beteiligten. Welche Begrifflichkeiten und Ausdrucksweisen erfunden werden, um über Arbeit und Arbeiten als Selbständige oder im Team, als Unternehmerin oder Angestellte zu reden, weist den Weg zu Veränderungen. Freuds Begriffe sind in die Alltagssprache übergegangen, man müsste sich ihrer Logik bedienen - wie etwa im Bereich der psychodynamischen OE-Beratung. MSG

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