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Die Formung des Menschen durch Text (Mo, 28 Dez 2015)
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Sprachlose Medizin - Über den Wandel eines Berufsbildes (Mo, 21 Dez 2015)
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Rätsel Placeboeffekt - steuert Sprache die Biochemie unseres Körpers? (Mo, 14 Dez 2015)
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Unbekanntes Wissen (Mo, 07 Dez 2015)
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Warum Kernberg irrt - zur Debatte um die Modernität von Psychoanalyse (Mo, 30 Nov 2015)
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Das Böse im Bild (Mo, 23 Nov 2015)
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Was will Merkel? Führung mit dem kleinen Unterschied (Mo, 16 Nov 2015)
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Buchvorstellungen auf WUNDERBLOG

Die neue Ausgabe von Y - Revue für Psychoanalyse erschien im Februar 2016 und ist dem Thema "Schreiben und Begehren" gewidmet. Das von der Berliner Autorin Corinna Sigmund (Schreibbegehren) herausgegebene Heft enthält Beiträge von Theres Lehn, Klaus Böldl, Marcus Steinweg, Dominik Barta, Anne Sauvagnargues, Marcus Coelen, Franz Kaltenbeck, Eckhard Rhode und Rolf Nemitz. Broschur, 110 Seiten, 17 Euro.

Caroline Neubaur: Der Psychoanalyse auf der Spur II. Zeitreise mit Rezensionen. Berlin (Vorwerk 8) 2012. 1360 Seiten, € 64,00.

 

"Wäre Freuds Vorschlag einer Volluniversität aus dem Laienanalyse-Text von 1926 umsetzbar, Caroline Neubaurs Der Psychoanalyse auf der Spur II gäbe schon einmal eine schöne Literaturliste für die Bibliothek her. Dies auch, weil der kapitale Band gerade nicht ausschließlich Rezensionen psychoanalytischer Fachliteratur vereint. Wie selbstverständlich tauchen in diesem Handbuch psychoanalytischer Publikationsgeschichte auch Romanbesprechungen von Bulgakow, Handke und Kis neben Rezensionen kunsthistorischer, religionsphilosophischer, kulturwissenschaftlicher, archäologischer und pädagogischer Arbeiten auf." (Rezension von Moritz Senarclens de Grancy, PSYCHE 8/2015, S. 777-779.)

Dieter Eisentraut: Manets neue Kleider. Zur künstlerischen Rezeption der Olympia, des Frühstücks im Grünen und der Bar in den Folies-Bergère. Olms Weidmann 2014. 280 S. mit 130 überwiegend farbigen Abb. 68 Euro.

 

Von einer Metaphorizität von Bildern lässt sich sprechen, wenn Bildmotive bekannter Werke der Malerei von nachfolgenden Künstlern aufgegriffen und in neue Zusammenhänge gebracht werden. Diese Wanderbewegung von Bildern und ihre vielfältigen Beziehungen zueinander untersucht Dieter Eisentraut ausgehend von drei Werken des französischen Impressionisten Edouard Manet in seinem Buch Manets neue Kleider. Der sorgsam editierte Band demonstriert Erkenntnisreichtum und Diskursstärke einer Kunstwissenschaft, die den Fokus auf innere Zusammenhänge richtet und die nicht an formalen Beschreibungen haften bleibt. Weiterlesen auf Literaturkritik.de...

Otto Fenichel: Psychoanalyse und Gymnastik. Hg. v. Johannes Reichmayr. Psychosozial-Verlag Gießen 2015. 209 Seiten. 24,90 Euro.


Freuds Modelle der Psyche referieren auf den Körper und dessen "Arbeitsaufträge an die Seele". Dessen ungeachtet wird das Somatische aus dem Setting der psychoanalytischen Kur weitgehend ausgeklammert. Der hier erstmals veröffentlichte Text "Psychoanalytische Untersuchungen über die Wirkungsweise der Gymnastik" (1927) offenbart Otto Fenichel neben Sándor Ferenczi, Georg Groddeck, Felix Deutsch und Wilhelm Reich als Vorreiter der Körperpsychotherapie. Die Triebtheorie Freuds als auch die Reformgymnastik nach Elsa Gindler einbeziehend rückt Fenichel den Körper in den Mittelpunkt der Betrachtung zwischen Muskeltonus, Affektverdrängung und Motorik.

Jan Behrs, Benjamin Gittel, Ralf Klausnitzer: Wissenstransfer. Konditionen, Praktiken, Verlaufsformen der Weitergabe von Erkenntnis. Frankfurt am Main 2013.304 Seiten. 57,95 Euro.


Der Begriff „Wissenstransfer“ bezeichnet epistemische Transferhandlungen aller Art. In dieser Bedeutungsvarianz des Ausdrucks liegt zugleich seine Problematik, ist er doch von grundlegender Bedeutung für die Wissenschaften. Es fehlte bislang eine ausführliche Dokumentation des Gesamtkomplexes sowie eine Zusammenfassung der Konzepte zum Thema Wissenstransfer. In diese Lücke stößt die kulturtheoretische Untersuchung des Autorentrios Jan Behrs, Benjamin Gittel und Ralf Klausnitzer. Weiterlesen...

Franz Kaltenbeck, Lesen mit Lacan – Aufsätze zur Psychoanalyse. Parodos. Berlin 2013. 334 Seiten. 45 Euro.

 

Die Aufsatzsammlung Lesen mit Lacan des Pariser Psychoanalytikers Franz Kaltenbeck vereint mehr als zwei Dutzend Beiträge zur Psychoanalyse, geschrieben zwischen 1978 und 1998. Diese haben so unterschiedliche Themen wie etwa der Begriff der Angst und der Zeit in der Psychoanalyse, das Konzept des somatischen Entgegenkommens aus Freuds Hysterieforschung, Lacans Erfindung der passe, einen Vergleich der Theorien von Freuds Schülern zur Kriminalität oder auch eine Analyse von Kafkas Brief an den Vater zum Inhalt. Jenseits dieser Vielgestaltigkeit sucht das Buch seinen Lesern eine spezifische, an Lacan angelehnte Lektürepraxis nahezubringen, die jegliche Gelehrsamkeit vermeidet. MSG

 

Eric Kandel. Das Zeitalter der Erkenntnis. Die Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis heute. Siedler. München 2012, 704 Seiten, 39,99 Euro.

 

Mit Das Zeitalter der Erkenntnis hat Eric Kandel der Wiener Moderne zwischen 1890 und 1918 eine umfassende Retrospektive gewidmet. Selbst ein gebürtiger Wiener, floh der spätere Hirnforscher und Medizinnobelpreisträger mit neun Jahren vor den Nationalsozialisten nach New York. Jetzt begibt er sich zurück ins Wien der Jahrhundertwende, wo Künstler und Wissenschaftler mit der Erforschung des Unbewussten eine völlig neue Erkenntnisleistung vollbrachten, um von hieraus die Entwicklung der modernen Hirnforschung aus der „kognitiven Psychologie“ Freuds nachzuzeichnen. Die wesentliche Entdeckung Freuds - dass es ein dynamisches Unbewusstes gibt - bleibt dabei jedoch außeracht. MSG

 

Thomas Barth. Wer Freud Ideen gab. Eine systematische Untersuchung. Waxmann. Münster 2013. 342 Seiten. 34,90 Euro.

 

Thomas Barths Buch zeichnet in systematischer Vorgehensweise die vielseitigen Ideenverläufe im Freudschen Oeuvre nach. So zeigt der Autor, dass die Einflüsse seitens Lamarck und Haeckel in Freuds Werk häufig implizit sind, d.h. in der Verwendung spezifischer Begriffsschöpfungen - wie etwa bei der "archaischen Erbschaft" (Lamarck) oder der Gegenüberstellung von "Ontogenese" und "Phylogenese" (Haeckel) zum Tragen kommen. Impliziten Einfluss erkennt Barth auch bei Freuds Ideen zur Anatomie; in dem Vergleich "sogenannter" Wilder und verschiedenen Formen der Neurose und der infantilen Sexualität sowie den daran anknüpfenden Überlegungen zu Kunst, Religion und Kultur übernahm er Konzepte von Goethe und Darwin. Gerade diese für Freuds Denken typischen Übertragungen aus den Nachbarwissenschaften in seine Psychologie macht Barths Buch zu einer lesenswerten Roadmap der Freudschen Ideengeschichte. MSG

 

 

Timo Storck (Hg.). Zur Negation der psychoanalytischen Hermeneutik. Psychosozial-Verlag. Gießen 2012. 397 Seiten. 39.90 Euro.

 

Freuds Festhalten an den Naturwissenschaften - an Neurologie und Biologie - stand seit jeher in einem Widerspruch zu der Tatsache, dass es in seinen Schriften so überaus häufig um Texte geht, ums Sprachverstehen, um Übersetzungen und Interpretationen, mithin um literarische Arbeitsweisen. Aus dieser Schwellenlage zwischen Objektivismus und Hermeneutik bezieht Psychoanalyse seit jeher ihre Innovationskraft, was Paul Ricoeur zu der Chiffre von der Psychoanalyse als „gemischter Rede“ anregte (Ricoeur 1965). Zugleich resultiert hieraus die Schwierigkeit, Psychoanalyse im Kanon der Wissenschaftsauffassungen zu verorten. In der von Timo Storck herausgegebenen Publikation avanciert der methodische Stellenwert von Negativität zum spezifischen Merkmal einer psychoanalytischen Erkenntnishaltung rund um die Frage, was das Verstehen von Bedeutungen in der psychoanalytischen Arbeit ausmacht. MSG


Marco Solinas. Via Platonica zum Unbewussten. Platon und Freud. Turia + Kant. Wien, Berlin 2012. 201 Seiten. 24 Euro.

 

Freuds zahlreiche Bezugnahmen auf antike Autoren sind von der Forschung als eine starke antike Traditionslinie der Psychoanalyse gewürdigt worden. Gleichwohl Freud in Massenpsychologie und Ich-Analyse den psychoanalytischen Erosbegriff mit dem der Platonischen Liebe gleichsetzt oder an anderer Stelle eine Dreiteilung des Seelenapparats vornimmt, zitiert er Platon – etwa im Vergleich zu Aristoteles – selten unmittelbar. Marco Solinas Parallellektüre untersucht daher, wieviel tatsächlich vom Corpus Platonicum in Freuds Texten steckt und erkennt vor allem in Platons Traum- und Wunschtheorie aus dem Achten und Neunten Buch des Staates die theoretische Grundlage zu Freuds Denken. Somit eröffnet sich für Solinas hinter Freuds wichtigster Entdeckung, der via regia zum Unbewußten, eine bislang nicht ausreichend erforschte via platonica. Denn zahlreiche Parallelen und Analogien zeugen von einer komplexen Wirkungsgeschichte des Platonischen Werks im Denken Freuds wie die Bedeutung von Konflikten, die immer dort auftreten, wo Menschen aufeinandertreffen – in Staat und Familie. MSG

Lydia Marinelli: Tricks der Evidenz. Zur Geschichte psychoanalytischer Medien, hg. von Andreas Mayer. – Psyches Kanon. Zur Publikationsgeschichte rund um den Internationalen Psychoanalytischen Verlag, editorisch bearbeitet von Christian Huber und Walter Chramosta. – (Mit Andreas Mayer) Träume nach Freud. Die “Traumdeutung” und die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung.

Wien (Turia + Kant), 287, 215 und 231 Seiten. Alle 3 Bände im Schuber 70 Euro, einzeln je 29 Euro.

 

Es ist ein offenes Geheimnis der Psychoanalyse, dass sie in Wahrheit von Frauen erfunden wurde – den ersten Patientinnen Josef Breuers und Sigmund Freuds: Anna O., Emmy von N., Lucy R. u.v.a. Schon die allererste unter ihnen, Anna O. alias Bertha Pappenheim, prägte die Bezeichnung “talking cure”, also “Redekur”, nachdem sie auf die Methode verfallen war, sich von ihren Symptomen im Beisein ihres Arztes freizusprechen. Seither stellt das gesprochene Wort das Mittel der therapeutischen Technik in der Psychoanalyse dar. Doch dass wir von diesen Vorgängen überhaupt Kenntnis erlangen konnten, ist der Verschriftlichung der klinischen Sitzungen zu verdanken, die Breuer nach hartnäckigem Insistieren Freuds, der die Krankengeschichte für die gemeinsame Publikation “Studien über Hysterie” benötigte, anfertigte. Marinelli betont die Wichtigkeit von Publikationen für den internationalen Erfolg der Psychoanalyse und zeichnet Freuds publizistisches Engagement für psychoanalytische Fachzeitschriften detailliert nach. MSG