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Mo

20

Okt

2014

Ichveränderung

Am Anfang der Psychoanalyse stand die Beobachtung, dass sich das Unbewusste nicht nur gelegentlich in unser Sprechen und Handeln drängt. Während das vernunftbetonte Bewusstsein kaum als erklärungsbedürftig erschien, bot demgegenüber das unzugängliche Unbewusste allerhand Rätselhaftes, das auf Lösungen warteten. Freud nahm den Traum zum Ausgangspunkt seiner Untersuchungen, den er als den Königsweg zum Unbewussten bezeichnete. Die Traumdeutung gelang, indem Freud die Traumarbeit, also die Übertragungen zwischen Latentem und Manifestem, zurückübersetzte. 


In seinen späteren Schriften wurde jedoch zunehmend das Ich zum eigentlichen Rätsel. Die Frage kam auf, wie das Ich sich eigentlich verändert. Erstmals erschien der Ausdruck "Ichveränderung" in Die Verdrängung (1915) in Verbindung mit der Zwangsneurose und der für sie typischen Steigerung der Gewissenhaftigkeit. Freud begriff die Ichveränderung als Folge einer Reaktionsbildung zur Abwehr gegen unliebsame Wahrnehmungen aus der Umgebung. Der Mensch erwirbt die Ichveränderungen Freud zufolge zumeist während der Abwehrkämpfe der Frühzeit, wo sie charakterprägend auf das Ich einwirken. Der manifeste Charakter erweist sich also aus psychoanalytischer Sicht als das Ergebnis solcher Ichveränderungen.


Die Verfahrensweise der psychoanalytischen Arbeit mit Klienten in der Kur oder auch im Rahmen des psychodynamischen Coachings ist die Untersuchung von Transformationsprozessen - konkret die Frage, aus welchem Grund etwas Latentes gerade so und nicht anders in etwas Manifestes übertragen wurde.


Die Wirkung der Abwehren im Ich wurde von Anna Freud weiter erforscht. Sie weist darauf hin, dass Abwehren ursprünglich dazu dienen, Schutz vor Gefahren zu gewähren; ungeachtet dessen können sie später zur Gefahr für das Individuum werden, vereiteln sie doch eine offene Begegnung mit der Umgebung und den Mitmenschen. 


Aus psychoanalytischer Sicht erscheint es nicht sinnvoll zu versuchen, bestimmte Ichveränderungen zu revidieren. Es wäre zumal auch nicht wünschenswert, selbst wenn das Individuum unter dem eigenen Benehmen oder unter bestimmten Wiederholungserscheinungen leidet. Der psychoanalytische Ansatz Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten erzielt jedoch nachhaltige Wirkung, sofern nur das sich im Verhalten wiederholt, was nicht erinnert und ausgesprochen werden kann.