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Di

14

Okt

2014

Prozesswissen

Das Wissen, das aus der psychoanalytischen Erfahrung resultiert, erweist sich eher als Transferereignis denn als deklaratives Wissen über Sachverhalte und Fakten. Auf der Couch verabschiedet man sich nach und nach von der Vorstellung, es gäbe konkrete Antworten auf die drängenden Fragen des eigenen Lebens. Im allgemeinen sind die Dinge zu kompliziert, ergänzungsbedürftig, unübersichtlich, und außerdem vertut sich die Erinnerung andauernd. Wissen, so die Grunderfahrung in Analyse, kann man nicht haben. Auch Freud empfahl in Der kleine Hans (1909), nicht alles sogleich verstehen zu wollen, sich eine unparteiische Aufmerksamkeit zu bewahren und alles weitere abzuwarten. 


Psychoanalytisches Arbeiten ist ein Arbeiten mit der Sprache und dem Sprachen, das sich Hilfsvorstellungen aller Art bedient. Hilfsvorstellungen erlauben ein Probedenken, in dem auch das Unbedeutende, Unmögliche, Verbotene und Irrationale Einlass findet, um gedanklich erprobt zu werden. Dieser Prozes erweist sich als epistemisch, sofern in ihm Schlüsselfiguren des Denkens identifiziert werden, die neu sind und die die bisherige Wissensordnung eines Individuums erweitern und umarbeiten können. Häufig stellt sich die Frage, wie etwas, das plötzlich ausgesprochen ist, eingestuft werden soll. Oder man verpasst die Stelle, wo es angebracht gewesen wäre, über die gemachten Aussagen weiter nachzudenken und gerät unversehens auf andere Themenfelder. War das nun ein Wissen oder einfach nur so dahergesagt? War es wahr oder falsch? Bloß eingebildet? Hatte das Gesagte eine Bedeutung, wenn ja, welche? Kann man sich überhaupt noch fehlerfrei an die eigenen Worte erinnern?


Der prozedurale Charakter des Wissens in der analytischen Arbeit ergibt sich eben auch aus der Möglichkeit des Fragens. Das Infragestellen schützt die Beteiligten davor, mittels Antworten Einfluss auf den Fortgang der Untersuchung zu nehmen. Man kann die analytische Arbeit durchaus als Untersuchung auffassen, in der die Bedingungen von Wissensordnungen ermittelt werden, nach denen sich eine Person ihr ganzes Leben lang gerichtet hat und mit der sie zunehmend in Konflikte gerät. Hier die Bedingungen des Wissens neu auszuloten, ist Aufgabe und Zweck des analytischen Arbeitsprozesses.








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